Ein Besuch in Abrekyie Krom

Erzählt von Lea John, 1. Vorsitzende 
Direkt zu Beginn meines Ghana-Aufenthalts im Mai 2026 war gemeinsam mit unserem Projektleiter Jochim Boadi ein Besuch in Abrekyie Krom geplant. Auf das Dorf aufmerksam geworden waren wir durch einen unserer Schüler. Joel besucht ab September die 4. Klasse der Heritage Academy. Sein Vater hatte schon oft von der Schule gehört und sich dazu entschieden, den weiten Weg auf sich zu nehmen, damit sein Sohn eine gute Schulbildung erhält. Fast täglich fährt er Joel dafür rund eine Stunde mit dem Motorrad zur Schule.

Wir wollten deshalb auch den anderen Familien im Dorf von der Heritage Academy und vor allem von der bevorstehenden Eröffnung von Graceland erzählen.

An einem Montagvormittag machten Boadi und ich uns nach dem Frühstück mit dem Motorrad auf den Weg. Nachdem wir im Jahr zuvor bereits Nyhinahin besucht hatten, hatte ich dieses Mal eine bessere Vorstellung davon, was mich erwarten würde. Einen Teil der Strecke kannte ich bereits. Zunächst ging es durch einige Dörfer und über noch recht gute Straßen, bis wir irgendwann auf einen schmalen Weg abbogen. Zum Glück hatte es in den Tagen zuvor nicht geregnet und der Weg war für ghanaische Verhältnisse in einem ganz guten Zustand.

Etwa auf halber Strecke kamen wir durch ein Dorf mit einer Schule. Die einzige Schule im Umkreis von etwa 15 Kilometern und damit für mehr als 50 Communities und all die Kinder, die dort leben.

Wir entschieden uns spontan für einen kurzen Stopp und suchten das Gespräch mit dem Schulleiter. Schon bevor wir das Gebäude betraten, trafen wir auf die ersten Kinder, die unter den Bäumen vor der Schule saßen und dort unterrichtet wurden.
abrekyie krom fahrt

Am Gebäude selbst stand in großen Buchstaben „Kindergarten“. Im Inneren wurde unser erster Eindruck nur noch verstärkt. In den Klassenzimmern wurden jeweils zwei Klassenstufen gleichzeitig unterrichtet und selbst der Flur diente einer Klasse als Klassenraum.

Der Schulleiter erzählte uns, dass das Gebäude ursprünglich nur für drei Klassenstufen gebaut wurde. Es war nie geplant, dort Kinder bis zur 6. Klasse zu unterrichten. Doch eine andere Schule gibt es in der Umgebung nicht. Einige Kinder kommen nur an einzelnen Tagen zum Unterricht, andere gar nicht.

Der Schulleiter folgte mit großem Interesse Boadis Erzählungen über die Heritage Academy und Graceland. In diesem Moment wurde uns noch einmal bewusst, dass Graceland langfristig kein Einzelfall bleiben sollte. Es gibt so viele Orte, an denen die Entfernung zur nächsten Schule darüber entscheidet, ob ein Kind regelmäßig am Unterricht teilnehmen kann oder nicht. Ein Zuhause unter der Woche, von dem aus die Kinder eine Schule besuchen können, könnte auch an anderen Orten eine große Veränderung bedeuten. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.
abrekyie krom dorf
Wir verabschiedeten uns und fuhren weiter nach Abrekyie Krom. Während der Fahrt trackte ich unseren Weg. Von der Schule bis zum Dorf waren es ungefähr 10 Kilometer.

10 Kilometer, die einige der älteren Kinder aus Abrekyie Krom zu Fuß zurücklegen, um überhaupt zur Schule gehen zu können. Morgens hin und nach dem Unterricht wieder zurück.

Im Dorf angekommen, wurden wir bereits vom Dorfältesten erwartet. Joels Vater hatte unseren Besuch angekündigt. Wie auch Nnyinahin liegt Abrekyie Krom sehr abgelegen. Es gibt weder Strom noch fließendes Wasser und der nächste größere Ort ist weit entfernt.

Ein großer Teil des Gesprächs fand auf Twi statt. Zwar verstehe ich immer mehr, aber noch lange nicht alles. Boadi ist beim Übersetzen immer sehr kurz angebunden, aber allein die Mimik und der Tonfall machten mir deutlich, wie viele Gedanken sich die Menschen vor Ort um die Zukunft der Kinder machen.
Viele der Kinder besuchen nie eine Schule und bleiben ihr ganzes Leben im Dorf. Andere brechen ihre Schulbildung nach der Grundschule oder Junior High School ab, weil der Weg zu einer weiterführenden Schule noch weiter ist. Wer die Möglichkeit dazu hat, schickt seine Kinder zu Verwandten, die näher an einer Schule leben. Doch nicht jede Familie hat diese Möglichkeit.

Wir erzählten von Graceland und davon, dass wir ab September die ersten Kinder dort aufnehmen können. Das Interesse war groß. Gleichzeitig merken wir bei solchen Gesprächen immer wieder, dass viele Eltern zunächst skeptisch sind. Und das kann ich gut verstehen. Sie kennen uns kaum und sollen uns ihre Kinder anvertrauen.
abrekyie krom gruppenbild

Aktuell stehen wir weiterhin mit den Familien in Kontakt und versuchen gemeinsam herauszufinden, für welche Kinder Graceland eine Möglichkeit sein könnte. Die Eltern möchten sich ebenfalls beteiligen und beispielsweise einen Teil ihrer Ernte zur Verfügung stellen. Trotzdem entstehen für jedes Kind laufende Kosten, die wir ohne zusätzliche Paten nicht decken können.

Und genau hier stoßen auch wir an unsere Grenzen. So gerne wir jedem dieser Kinder einen Schulbesuch ermöglichen würden, können wir in Graceland nur einen kleinen Teil von ihnen aufnehmen. Nicht nur in Abrekyie Krom, sondern in unzähligen abgelegenen Communities rund um Boabeng leben Kinder, die vor ganz ähnlichen Herausforderungen stehen.

Mit jedem neuen Paten können wir einem weiteren Kind die Möglichkeit geben, in Graceland zu leben und regelmäßig die Heritage Academy zu besuchen. Gleichzeitig hoffen wir, dass Graceland langfristig nicht der einzige Ort dieser Art bleiben wird.